Sonntag, 15. Dezember 2013

Stand: Februar 2015 - siehe unten am Ende der Reisenotizen.......


Meine Reiseserie in außereuropäische Länder bzw. nach Afrika begann im Jahr 1981, als ich erstmalig zu Verwandten nach Südafrika geflogen war. 1983 eroberte dann ein junges Mädchen, die ich schon einige Jahre unterrichtet hatte, mit mir zusammen Amerika von der Ost- zur Westküste in knapp 3 Wochen. Nennen wir sie einfach Ela. – Als Abschlussreise lud ich sie, da sie mir von Ägypten - und besonders den Pyramiden  - vorgeschwärmt hatte, zu einer Reise nach Kairo ein.


Kairo – juli 1984





Damals war das Routennetz der Ferienflieger noch nicht so weitläufig wie heute – also brachten uns die Eltern des jungen Mädchens nach Hannover zum Flughafen. Von dort starteten wir mit einem LH-Flug nach Frankfurt. Dann stiegen wir in ein Flugzeug von Egyptair nach Kairo um. Die Flugzeit dorthin verging, ja wirklich wie im Fluge… Und dann kamen wir in dieser damals schon riesigen Kairo-City an. Die Juli-Wärme nahm uns – wie heutzutage  – fast den Atem. Heliopolis-Flughafen war damals groß, doch mit seinen neuen Terminals, wie wir sie jetzt, in 2013, vorfinden, nicht zu vergleichen.


Nach der Einreiseprozedur brachte uns ein Taxi, das nur vom Rost zusammengehalten wurde, in unser Hotel „Mövenpick“ in Giza, nahe dem Pyramiden-Plateau. Die Anmeldung ging schnell vonstatten – ich hatte von Deutschland über Freunde zwei Zimmer, resp. einen Bungalow gemietet, zwei Zimmer mit Bad jeweils, die durch eine Tür verbunden waren. Also fix unser Gepäck aus- und in die Schränke eingepackt. Ela und ich hatten im Garten der Bungalow-Anlage einen großen, runden Swimmingpool entdeckt. Bei der  flirrenden Hitze ein Lichtblick! Also rein in die Badesachen und rein in den Pool. Wir kamen an einem Donnerstag an – quasi der Samstag für die Einheimischen, da im Islam der Freitag deren Sonntag ist. – Was wir auch nicht wussten: Viele Hochzeitspärchen aus der Mittel- und Oberschicht Kairos feierten dort - und tun dies noch heute – dieses lautstarke und menschenreiche Fest dann ausgiebig, ohne große Rücksicht auf andere Hotelgäste. – So wurden wir gegen Abend nett, doch strikt gebeten, die Fläche um das Schwimmbad freizuhalten und uns in unsere Bungalow-Gärtchen oder Terrassen des Hotels zu begeben: es wurde am Pool gefeiert. – Natürlich sahen Ela und ich uns das Ganze aus gehöriger Entfernung an – so stark mit Make-up zementierte Gästedamen, einschl. der Braut, sahen wir vorher nie. Es wurden zwei große Aufsteller mit einem großen Schild aufgestellt. Dort pinnten dann zahlreiche Gäste – Verwandte und Geladene – ihre Hochzeitsgabe an: Geldnoten. Einige aus der Verwandtschaft taten dies auch an den zwei lebenden Hauptdarstellern: Braut und Bräutigam bekamen ebenfalls Banknoten an die Kleidung geheftet. Was für ein Anblick! – Im Morgengrauen war das Fest vorbei…. Schlaf hatten wir in dieser Nacht durch die lärmige Hochzeitsmusik und das Geschnatter von gefühlten 500 Gästen nicht bekommen. Schwamm drüber!


Nach einem typisch gut-schweizerischen Frühstück im angenehm kühlen Hotelrestaurant war für die ersten Tage der Anpassung an Klima und Hitze  Ausspannen und Faulenzen angesagt. Also vormittags Ela und ich am Pool, zwischendurch ein opulentes Mövenpick-Eis – ja, das gab’s damals sogar schon, teils aus der Schweiz importiert in Kühlcontainern – ein bisschen die anderen Gäste beobachtet und den teils einheimischen, teils europäischen Gästekindern bei Poolspielen zugeschaut. Ab Samstag war bis zum nächsten Mittwoch bzw. Donnerstag wieder eine angenehme Urlaubsstimmung am Pool. – Am 2. Tag fiel uns ein Mann, nee, ein Riese auf: er war mindestens um die 2 Meter groß. Beim Frühstück war er uns schon aufgefallen, als er durch den Restauranteingang kam, wurde es dunkel! Ein Mann mit Maßen oder Massen?, gewiss! – Dieser Mensch, der, wie sich herausstellte, ein echter Bayer, ähem, Münchner war, bemerkte später am Pool, dass wir zwei uns auf Deutsch unterhielten. Er hatte ein Riesenhandtuch bei sich, wedelte damit etwas Sand von einer Sonnenliege und fragte in tiefstem Münchnerisch, ob er sich neben uns niederlassen könnte. Nun denn! Er tat es – schnell kam Ela mit ihm ins Gespräch. – Es stellte sich heraus, dass unser Bayer ein Umzugsunternehmen in Maadi-Kairo besaß, jedoch in den Sommerferien seine Frau und seine halbwüchsige Tochter auf Urlaub nach Deutschland geschickt hatte. Unser Bayer allein zu Haus – das ging nicht. Also mietete er sich für diese Wochen in unserem Hotel ein – und was für ein Zufall! – lag sein Bungalow neben unserem. So hatten wir eine Menge zu erzählen. Er hatte einen deftigen Humor, war jedoch zu Ela und mir sehr offen und berichtete so die eine und andere Geschichte aus seiner Arbeit. Er fuhr oft mit einem leeren Truck die Desert Road to Alexandria, um in Alex im Hafen angekommene Container für deutsche und europäische Residenten abzuholen. DAS war sein Hauptgeschäft. Ein eigen Ding war es auch, dass er für die Zeit seines Junggesellen-Daseins in Kairo seinen großen Mercedes mit Klimaanlage und allem Schnickschnack an die deutsche Botschaft vermietet hatte…. brachte ja zusätzliche Talerchen…,, und er fuhr in dieser Zeit einen Uralt-VW, bei dem die Beifahrertür zugeschweißt war. Frage nach Grund – wusste er auch nicht; er hatte seiner Frau diese Schleuder mit dieser besonderen Eigenschaft  gekauft !


So fanden wir zusammen, absolut keine Familie, doch manchmal, wenn wir uns in einem Spiegel im Hotelrestaurant zusammen sahen, schien es fast so: Er, der Vater und Beschützer, blond, Ela, ein junges Mädchen ebenfalls mit Blondhaar und zuletzt ich, damals noch erblondet…. 



Einige Tage später fragte er uns, ob wir Lust hätten, ihn nach Alexandria zu begleiten. Oha, natürlich gern! So klopfte er uns – mit Lunchpaketen bewaffnet – am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang aus dem Bett. Vor dem Hoteleingang wartete ein Riesentruck mit Aufleger auf uns. Gegenüber befand sich ein Gefängnis für politische Gefangene, die uns aus den vergitterten Fenstern etwas zuriefen, als wir zwei Blondis zu ihm und seinem Mitarbeiter Ali ins Führerhaus einstiegen. – Und dann ging’s ab in Richtung Alex. Es war eine lange Fahrt nur kurz im Sandbeige der Wüste, später wurde es schnell grüner, da wir in Richtung Nordwesten über Tanta und Kafr El Dawar auf Alex zufuhren. Am frühen Vormittag erreichten wir die Stadtgrenzen, dann hinein in die City. Alexandria sieht – gerade an der Corniche, der Uferstraße, die sich wie ein Halbkreis an der Uferlinie entlangzieht – in vielen Teilen recht europäisch aus. Es hat einen etwas altmodischen Charme; die Alexandriner sind vom Wesen her ganz anders als die Kairener oder Oberägypter. Unser Bayer unterrichtete Ali, dass er für uns „Kindermädchen, Aufpasser und Mini-Reiseführer“ spielen durfte. Dann machte er sich mit seinem Riesengefährt auf den Weg zum Hafen, um einen Container für einen Schweizer Diplomaten abzuholen. Dessen Familie – Alfred, Kusum, seine indische Frau, und die zwei Töchter von 3 und 5 Jahren – wohnten bis zur Ankunft des Containers ebenfalls in unserem Hotel. Mit denen hatten wir ebenfalls tagelang Vergnügen, und Ela war die beste Kindersitterin für die Mädchen. –



Ali wollte uns Gutes tun und schleifte uns dann mit einem Taxi in Richtung Montazah, dem früheren Palast und das Parkgelände von König Faruk. Später benutzten Gamal Abdel Nasser, Anwar El Sadat und Hosni Mubarak dieses prachtvolle Anwesen als Sommerresidenz. Kairo ist im Sommer fast unerträglich, und die Kairener, die über genug Geld verfügen, setzen sich in Richtung Alex und Mittelmeer ab.



Hier genossen wir bei gemeinsamer Eiscreme die herrliche Aussicht über die Bucht von Alexandria. Mobiltelefone gab es damals nicht, und schnell merkten wir, dass wir mit Ali die Zeit völlig vergessen hatten. Zwischen dem Anschauen von Einheimischen, die in voller Bekleidung an den öffentlichen Badeabschnitten in Montazah badeten und allerlei unterschiedlichen Menschen, Touristen wie Alexandrinern, war uns nicht aufgefallen, wie fix sich die Uhr weitergedreht hatte. – Also: was tun? Als Treffpunkt hatte uns Werner vormittags das Traditionshotel „Cecil’s“ an der Corniche genannt. Also rein in ein Taxi und dort hingefahren. Auwacka!  V o r  dem Hotel erwartete uns ein ziemlich geladener Mann– sicher zu Recht! Naja, wir erklärten ihm, dass es unser aller Schuld war, weil wir die Zeit vergessen hatten. Gnädig lud er uns noch auf ein Getränk in der Hotelbar ein. Auch Ernest Hemingway wusste dies – neben vielen anderen bekannten Gästen – zu schätzen.



Und am Spätnachmittag – es dämmerte schon – ging es mit dem Riesencontainer unserer Schweizer zurück, die gleiche lange Strecke von über 400 km. Unser Bär fuhr wie ein Trucker, Ali, Ela und ich schliefen auch auf diesen unbequemen Lkw-Sitzen schnell nach diesem ereignisreichen Tag ein.



In den letzten Tagen unseres Kairo-Urlaubs halfen wir dann unseren Schweizern, ihr neues Domizil in Maadi einzurichten. Das war etwas ganz anderes – Alfred und Familie hatten in einem zweistöckigen, quietschgrün angestrichenen Haus das gesamte Erdgeschoss gemietet. Soooo viel Platz, für alle vier und eine Hausangestellte, die ihren eigenen Eingang hatte zu ihrer Unterkunft. Es war eine junge Ägypterin, die gut Englisch und Deutsch verstand. Sie sollte die Mädchen betreuen bzw. morgens in den Kindergarten und in die Schweizer Vorschule bringen.



Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahmen Ela und ich  nach knapp 3 Wochen Abschied von unserem Mövenpick-Hotel, von unserem Bayer, der uns mit seinem klapprigen VW durch die Wüste zu kleinen Dörfern und nach Saqqara zur Stufenpyramide gefahren hatte, uns abends ins „Andrea-Restaurant“ eingeladen hatte, typisch ägyptisches Essen kennenzulernen – und – und – und…. Unsere Schweizer Familie hielt noch einige Jahre Kontakt zu Ela und mir. Leider weiß ich heute nicht, was aus ihnen geworden, der Schweizer Papa, Kusum, die indische Ehefrau aus New Delhi, wo die Familie jahrelang ihr Leben verbracht hatte. Ihnen allen ein dickes Dankeschön, dass unser als einfacher Urlaub geplanter Trip so viel Neues gebracht hatte.


D A S  war also mein erstes Kennenlernen Ägyptens.


Wie ein Faden zogen sich weitere Reisen in die USA, nach Asien und weitere Länder in Afrika durch mein weiteres Leben. – Gehen wir jetzt 16 Jahre weiter….



Hurghada –  Makadi-Bucht - Jahr 2000





Wieder wollte ich – nach vorherigen Trips nach Sri Lanka, Tunesien und Kenia mit einigen meiner Nachhilfekinder – einmal nach Ägypten, sozusagen nach über 16 Jahren Abstinenz.



Diese Gelegenheit bot sich, als ich der 10jährigen Tochter meiner Freunde, die ich auch unterrichtete, anbot, mich zu begleiten. Oh ja, die Lust dazu hatte Jule schon. Also staffierte ich das Kind mit allerlei neuen Klamotten und  Bade- sowie Schnorchelutensilien aus. Sie feierte am 15.10. ihren 11. Geburtstag. Am 18. Oktober 2000 ging es mit Papa, Opa und uns zwei am frühen Morgen nach Leipzig. Wir flogen mit Charter nonstop nach Hurghada. Dort wurden wir vom TUI-Reiseleiter abgeholt und in die Makadi-Bucht in das damals noch neue Iberotel „Makadi Beach“ gebracht. Die junge Dame erhielt ihr eigenes Apartment mit großem Wohn-/Schlafbereich, einem großzügigen Bad und einem riesengroßen Balkon mit Meerblick – wie ich.


Klar wurde schnell, wie wohl sich meine Jule dort fühlte. Es waren Herbstferien bei uns, und so waren auch zahlreiche Gäste aus Niedersachsen und anderen Bundesländern mit ihren Kindern im Hotel. So hatte Julia schon nach drei oder vier Tagen fast ständig Übernachtungsbesuch, weil einige Urlaubskinder meist bei den Eltern im Zimmer untergebracht waren – DAS nutzte mein Mäuschen weidlich aus. Ich kannte ja vom Pool oder vom Strand die Eltern. Deshalb hatte ich auch nichts dagegen…. Und die Eltern der Mädchen waren wohl auch ganz froh, mal nachts allein eine warme Urlaubsnacht zu zweit - und nicht mit Anhang – zu verbringen!.... - Ich bekam mein Kind dreimal pro Tag zu sehen – morgens, wenn sie im Sturmschritt in das große Hotelrestaurant stürmte – mittags, wenn sie ihren Lunch einnahm mit mir, darauf bestand ich – und abends, wenn sie sich gegen Abend nach der Dusche „fein machte“ und recht „erwachsen aussehend“ mit mir zum Abendessen ging. Sonst sah ich das Kind ab und an während des Tages an der Poolbar. Wir hatten All-inclusive, sie futterte Pommes rot und weiß, Pizza, Spaghetti Bolognese und so viel Eis, dass ich manchmal doch eingreifen musste, damit sie wenigstens einige Mineralien und Vitamine intus bekam. Zweimal war es wohl einfach zuuuu viel, was sie über den Tag verputzt hatte, und ich durfte mit ihr zum Arzt, der tägliche Hotel-Sprechstunde hatte, wandern. Sie sah am nächsten Tag dann noch recht grün unter ihrer knackigen Urlaubsbräune aus. Nun ja, für sie völlig neu dieses Gefühl, in einem 4-/5-Sterne-Hotel, verwöhnt vor allem von den Kellnern und dem Restaurantmanager und der Gästemanagerin bis zum damaligen Hotel-Manager mit Frau, die ohne Kinder waren, und an diesem prallen Energiebündel ihren Narren gefressen hatten. Schon bald saß sie nicht nur bei mir am Tisch, sondern immer öfter am Tisch der Hotel-Führungskräfte und oft auch zwischen dem Hotelmanager und seiner Frau. Zeitweilig gesellte ich  mich dazu…. Ich durfte das auch, freundlicherweise.



Jule machte in diesen drei Wochen eine erstaunliche Entwicklung: von dem zwar knuddelig-runden Mädchen mit sehr guten Schwimm- und Tauchbegabungen wurde sie zu einem ganz jungen Mädchen, das sich jetzt in Deutsch   u n d  Englisch ausdrücken konnte, ihre Umgangsformen wurden runder, sie sich in der Gegenwart von Menschen, die sie nicht kannte, wohl fühlte und zu „Everbody’s Darling“ wurde. Ich wurde als Begleitung der jungen Dame in Kauf genommen….



Auch ich hatte das große Glück, eine Familie mit Anhang aus Kairo kennenzulernen, einschließlich einer jungen Dame, die als Kindersitterin für die 4 Kinder mitgereist war:


Amy, damals 15 Jahre, ein Bruder, wohl 2 J. jünger als sie, Yasmeen, ein sportliches und temperamentvolles Mädchen von etwa 10 Jahren und der kleinste Bruder, damals um die 3. Sie saßen in unserer Nähe im Restaurant. Irgendwie ergab es sich, vielleicht durch meine Begleitung Jule, dass sich die Kinder anfreundeten. Jedenfalls hatte ich ab dem nächsten Morgen fast eine Woche lang Amy, die 15jährige, mit bei mir am Tisch. Zu Amy habe ich heute noch Kontakt. Sie ist inzwischen 28 Jahre, seit Juni 2012 verheiratet und lebt jetzt in London, eine erfolgreiche, junge Frau, die im IT-Bereich etliche Uni-Abschlüsse hat und immer mein Patenmädchen bleiben wird.


In 2011 und 2012 war ich bei der Familie zuhause in Heliopolis-Kairo zu Gast und wohnte dort bei der Familie. Dies habe ich als besondere Geste der Gastfreundschaft erkannt und bin dafür sehr dankbar, heute noch.



„Meine Familie aus Kairo“ gab den Ausschlag, auch nach 2000 wieder nach Ägypten zu reisen. So viele Erinnerungen trieben mich immer wieder nach Kairo, Hurghada, auf den Sinai ins Steigenberger LaPlaya Hotel in Taba (inzwischen leider geschlossen).



So waren es schöne Wochen in der Makadi-Bucht im „Makadi Beach“ – sorglose, sonnige Tage mit viel Sonne, Schwimmen, Strandgängen und Jules Begeisterung bis zum Ende der Ferien. Viele Tränen flossen beim Abschied auf allen Seiten. Dies war einer meiner schönsten Urlaubszeiten in Ägypten über die ganzen Jahre.



Hurghada -  Sinai –  kairo - Taba/Nuweiba - Jahr 2002 und 2003





Durchs Internet oder von Freunden – ich weiß es nicht mehr genau – wurde ich auf das damalige „Aida-Verdi-Hotel“ – Management bei Steigenberger – aufmerksam. So buchte ich in diesem Jahr zwei- oder dreimal dieses Hotel, hier das „Verdi“. Dies ist das qualitativ bessere Angebot des Zwillings-Hotels. Meine bekannte Neugier, nee, besser: mein Interesse nicht nur am Hotel an sich, sondern auch an den Menschen, die für die Gäste verantwortlich waren, führten schnell dazu, dass ich den damaligen ägyptischen Manager kennenlernte und kurz danach mit am Tisch der Hotelführungskräfte sitzen durfte. Damals waren  z w e i  Manager für dieses Hotel zuständig, der obengenannte Ägypter und ein deutscher Steigenberger-Manager, der auch für die beiden Steigenberger-Hotels in El Gouna und in Taba für den Verkauf/Vertrieb zuständig war. – Wie es nun kam, dass wir uns – nennen wir ihn Mick – näher kennenlernten, naja, es kam halt so.



Mick und ich hatten so viel Gesprächsstoff. Er erzählte mir von seiner bisherigen Arbeit im Hotelbereich. Er selbst hatte mit seinem Bruder eine ereignisreiche Zeit in Australien mit den Eltern verbracht, bevor sie alle zurück nach Deutschland kamen. Sein jüngerer Bruder ist heute ein bekannter Buchautor für bestimmte Fachliteratur und Preisträger von Auszeichnungen für Journalisten. Ich kenne ihn nur als TV-Berichten, auf die ich durch seinen älteren Bruder Mick aufmerksam wurde. 


Für ihn hegte ich mehr als freundschaftliche Gefühle – Mick war 15 Jahre jünger als ich. Irgendwann bemerkte er natürlich, dass ich ihn mit anderen als rein freundschaftlichen Augen (an)sah…. Es folgte eine – für mich peinliche – Aussprache. Er machte mir klar, was er mich empfand: große Freundschaft und ein Gefühl, dass wir Soulmates waren.



Es lag nun an mir, das zu akzeptieren oder einen kompletten Bruch mit ihm zu riskieren. Das wäre keine Alternative für mich gewesen. So hatten wir jahrelang weiterhin guten Kontakt. Einmal lud er mich – da er für den Steigenberger-Manager im LaPlaya-Hotel in Taba einspringen musste – ein, einige Tage auf den Sinai zu kommen. So fuhr ich dann erst von Hurghada aus mit dem Bus nach Kairo. Dort besuchte ich meine befreundete Familie in Kairo. Am nächsten Abend ging es dann von einem Busterminal der South-East-Sinai-Buslinie in Richtung Sinai-Halbinsel, eine lange Strecke, die eine ganze Nacht Busfahrt bedeutete. Von Kairo aus ging es ostwärts, zuerst durch den Ahmed-Hamdi-Tunnel, den einzigen Tunnel unter dem Suez-Kanal, hindurch.


Dieser Kanal  - 1,7 km  lang sowie 42 m tief - führt östlich von Ägyptens Hauptstadt unter dem Suez-Kanal durch. Er wurde um 1983 unter der Regierung Mubaraks gebaut und erlebte schon einige Reparaturarbeiten wegen Undichtigkeiten. Zwischen 1992 und 1995 wurden diese durch Unterstützung Japans beseitigt. Er ist jetzt wieder mit einer Spur pro Richtung befahrbar.



Die, die nächtliche Überlandfahrten in ägyptischen Fernbussen kennen, wissen, was da auf sie zukommt. In meinem Fall – ein voller Bus, TV-Geräte en masse und ein die gesamte Nacht laut quäkender Lautsprecher, direkt über mir. Da der Bus ausgebucht war, gab’s kein Entrinnen. Ich  hatte keine Ohren mehr am nächsten Morgen bei Ankunft….



Unter anderem saß auf der anderen Gangseite eine junge Beduinin mit einem Neugeborenen, maximal 2-3 Tage alt. Sie hatte wohl die Kleine in Kairo in einer Klinik geboren und kehrte jetzt zur Familie zurück…. Was sie der Familie sagen wollte, ich weiß es nicht. Die Kleine weinte fast die gesamte Busfahrt. Die junge Frau bekam ihre Tochter nicht zur Ruhe. Auch mehrfaches Stillen – was ihr mehr als unangenehm bei den Mitreisenden war – brachte kaum Erleichterung. Mitten in der Nacht nickte sie mir einfach ein, ich denke, Übermüdung, Überforderung – was auch immer. Ihre kleine Tochter fiel ihr fast vom Schoß. Schließlich nahm ich ihr dieses kleine Bündel ab. So konnte sie wenigstens eine Zeitlang sich ausruhen. Ich steckte der Lütten meinen kleinen Finger in die winzige Schnute. Und eigenartigerweise gab sie Ruhe, vielleicht, weil ich einfach hin- und herwiegte.



Nach dieser – im Ganzen – unbequemen und lauten Busfahrt kamen wir am nächsten Morgen gegen 06.00 Uhr direkt auf dem Platz vor den Hafenbehörden (Porth Authorities) in Nuweiba am Golf von Aqaba (Nordostseite der Sinai-Halbinsel) an. Die letzten Busgäste stiegen aus, so meine junge Frau mit Tochter und ich.  -  Sie verkrümelte sich dann ziemlich schnell zu einem Pickup-Laster, der augenscheinlich in der Nähe auf sie gewartet hatte. Ziemlich barsch hieß der junge Fahrer, sie einzusteigen. Nein, nicht ins Führerhaus, sondern hinten mit ihrem Koffer und Tochter auf die Ladefläche. Mir fiel die Kinnlade runter. Doch was sollte ich machen? Schwupps, war der Kleinlaster losgefahren und weg…


Und ich saß nun da – des Morgens an einem Freitag am Hafentor von Nuweiba, eine einladende Atmosphäre… Vor mir stand ein runder Betonpfeiler, mit zwei, drei Stufen, die in ca. 1,50 m Höhe endeten. Kein Taxi, die Hafentore geschlossen, sonst keine menschliche Seele weit und breit. – Mein Gastgeber Mick wusste ich, wann ich etwa dort ankommen sollte. Nur – vom Steigenberger LaPlaya-Hotel in Taba bis nach Nuweiba sind es doch einige Kilometerchen! Zu allem Überfluss kamen – woher? – etliche Ziegen in allen Farben auf mich und meine Reisetasche zu. Da waren einige Ziegenböcke, die wohl meinten, ich würde ihnen hier ihr Terrain streitig machen… Was tun? Ich packte mein Gepäck und krabbelte auf diesen Betonpoller. So thronte ich hier in voller Pracht in luftiger Höhe, und um mich herum schartensich immer mehr Zickengetier! Per Mobiltelefon rief ich in der Hotelrezeption an, um zu fragen, wann ich denn mit Abholung rechnen dürfte. Mir wurde freundlich mitgeteilt, „Mr. Mick“ sei unterwegs…. Nur, wann er ankommen würde, wisse man natürlich nicht.


Also harrte ich noch über eine Stunde auf diesem Dingens von Beton aus…. Es war zwar warm, doch recht unbequem. Und die Hafenziegen von Nuweiba mochten mich wohl besonders. – Endlich, nach gefühlten 5 Stunden, kam ein Wagen auf dieses Denkmal, ähem, auf mich zu und umrundete mich einmal. Lachend stieg Mick aus und wünschte mir einen „Guten Morgen“. Er hatte sogar eine Flasche Mineralwasser für mich mit. Ich war fast am Verdursten, denn die Sonne schien mir ja schon eine ganze Zeit auf den Bürzel! – Einerseits froh, dieser Situation endlich entrinnen zu können, andererseits stinksauer, dass mich Mick so strahlend begrüßte, während ich aussah wie ein Mehlknödel. Staub und Schmutz hatten an mir ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Mick nahm eine Decke aus dem Fond und breitete sie über den Beifahrersitz….. ordentlich und gepflegt wie immer.



Nun ging es in schneller Fahrt in Richtung Hotel. Das Schönste, was mir auffiel, als wir kurz vor dem Hotel waren, war diese Farbenpracht auf dem Sinai. Das Hotel liegt in einer kleinen Bucht, es ist U-förmig in Richtung Strand gebaut. Steht man zum Sonnenuntergang am Strand, glüht das Gebirge hinter dem Hotel in einer Farbensymphonie von Orange, Rosa und Rot mit einem blauen Himmel darüber, einfach wundervoll!


Ich verlebte in diesem Hotel einige schöne Tage. Als Hotelmanager hatte Mick wenig Zeit für mich, doch am Morgen und am Abend konnten wir im Restaurant unsere langen Unterhaltungen fortsetzen, die wir schon in Hurghada so oft geführt hatten.



Wir führten stundenlange Nachtgespräche, wenn er „on-Duty-Night-Manager“ war. Zu der Zeit gab es in diesem schönen Hotel noch Gäste, vor allem Deutsche, Schweizer, Österreicher und einige Engländer. Anfang des Jahres bis 2004 oder 2005 flogen noch einige Chartergesellschaften direkt von Deutschland diesen – im Verhältnis zu Hurghada – kleinen Flugplatz Taba an. Dieser war früher ein Militärflugplatz mit vielen Zäunen mit Stacheldraht wie in Hurghada heute. Doch dieses Winzlingsgebäude von „Ankunfts- und Abflug-Terminal“, ein richtiger „Kinder-Flugplatz“, allerdings mit viel Militärsoldaten, die allesamt uns Touristen dienstlich beäugten, dass wir nicht vom rechten Wege abkamen. Zur damaligen Zeit ging noch eine Fähre von Sharm-El-Sheikh nach Hurghada. – Mick blieb 4 oder 5 Tage in diesem Steigenberger-Hotel. Ich erfuhr viele Dinge, durfte sogar einen Vormittag an einem Trainingsprogramm für junge Mitarbeiter dort teilnehmen. Dieser Kurzkurs wurde von Mick in perfektem Englisch gehalten. Der Personalleiter übersetzte sofort ins Arabische, so dass auch diejenigen, die noch nicht lange im Hause waren, alles verstehen konnten und es dann auch umsetzen konnten. Da habe ich den Mick wirklich bewundert… ein Hotelmanager, wie er im Buche stand. Selbst in diesen wenigen Tagen seiner Anwesenheit vertrauten sich ihm etliche junge Führungskräfte und Angestellte an. Schon im „Verdi“-Steigenberger in Hurghada hatte ich vorher mitbekommen, wie sensibel – und trotzdem ziel- und aufgabengerichtet – er seine Aufgaben als Manager und Verkaufsdirektor für Steigenberger-Ägypten wahrnahm. Ja, sicher war von meiner Seite a bissele Schwärmerei mit dabei. Doch das Ergebnis für seine Mitarbeiter, das Hotel und ihn zählten letztlich.



Noch einige Jahre durfte ich Micks Leben aus der Ferne erleben, durch Mails bekam ich mit, dass er kurz danach in Ägypten verließ und nach Australien zurückging und dort nach einigen Aufenthalten im Hotel-Management-Bereich jetzt an leitender Stelle einer bedeutenden Institution in Australien tätig ist. Ich habe es sehr bedauert, dass ich ihn aus meinem Lebenskreis verloren habe. Wer weiß ….. das Leben ist eine einzige Wundertüte!



Hurghada - kairo - Jahr 2004





Im Jahr darauf war wieder für 14 Tage Urlaub in Hurghada geplant und wurde auch durchgezogen, diesmal über meinen Geburtstag Ende Mai. Diesen Tag wollte ich nicht in Hurghada verleben.



Einige Jahre vorher hatte ich auf einem der Flüge von Deutschland nach Hurghada mit Air Cairo, der Tochtergesellschaft von EgyptAir, die die deutschen Destinationen auch anflogen (damals Düsseldorf und Frankfurt und kurzzeitig auch Hannover), eine jüngere Flugbegleiterin kennengelernt. Gleich aufgefallen war sie mir im Flieger durch ihre fröhliche und engagierte Art, mit Kolleginnen, dem Captain und dem Co-Pilot umzugehen. Sie überzeugte durch ein bestechend gutes Deutsch. Auf meine Frage, wie und woher, erzählte sie mir, dass sie in Kairo die DSB – Deutsche Schule der Boromäerinnen - vom Kindergarten bis zum Abi besucht hatte. DAS war Qualitätsbildung, die sie ihrem Papa, einem koptischen, ehemaligen Lehrer in Kairo, zu verdanken hatte. Die Mutti war wohl früh verstorben, so dass sie – nennen wir sie Shahz – früh für ihren Vater und den jüngeren Bruder sorgen musste. Nicht nur finanziell, sondern zwischen ihren Flugeinsätzen hieß es, dass sie fast nie von zu Hause weg kam. DAS änderte sich, als ich wieder mit dem Bus vom Roten Meer in Kairo anreiste. Sie holte mich am Busterminal ab und brachte mich in ein kleines Hotel – „Nile Garden“ – direkt an einer Straße am Nil in El Manial gelegen. Oh, war das schön. Am Morgen konnte ich vom Frühstücksraum direkt auf diesen Schicksalsfluss der Ägypter schauen. Shahz’ Wohnung lag nur um die Ecke herum, 3 Minuten Fußweg. Sie holte mich am nächsten Morgen, meinem Geburtstag, vom Hotel ab, und wir „erfuhren“ im wörtlichen Sinne mit Metro und einigen Taxis interessante Stadtquartiere in Kairo, wo sicher kaum Touristen hinkamen. Wir aßen im „Felfela“, großartig und ein schönes Ambiente. Wir besuchten die alten koptischen Friedhöfe, eine angrenzende Synagoge und erliefen uns die 7 Kirchen im koptischen Viertel. Abends schwirrte mir zwar der Kopf, meine Beine waren wohl inzwischen abgefallen. Shahz hatte mir ihre Zeit gewidmet, das war eines der schönsten Geburtstagsgeschenke, die ich je erhalten hatte. Am 2. Tag waren wir noch im Bazar und im Islamischen Viertel mit den bekannten Stadttoren. So viel Geschichte!


Jetzt muss ich erst mal pausieren. Doch es geht  weiter, versprochen….






Nochmal - Hurghada – Nilkreuzfahrt mit anhang - Jahr 2004





Zwei meiner Jungen aus Realschule und Gymnasium, die ich seinerzeit unterrichtete, hatte ich des öfteren über Ägypten erzählt und sie wohl damit ein bisschen heiß gemacht auf das Land der Pyramiden. Kurz vor den Sommerzeugnissen, als fest stand, dass beide gute Zeugnisse erhielten, erfolgten Absprachen mit den Elternpaaren, ob und wann eine Reise nach Ägypten erfolgen könne. Die Entscheidung fiel auf die Herbstferien. So traf ich im Auftrag der Eltern die nötigen Vorbereitungen. Da ich bereits oft junge Menschen mit auf Reisen hatte, konnte ich von meinen Erfahrungen profitieren. Meine Infos holte ich mir im Internet, und so wurde letztlich eine 7tägige Nilkreuzfahrt mit Hotelaufenthalt im Palm Beach Hotel in Hurghada vor und nach der Nilreise verbindlich gebucht. Wir fuhren mit zwei Autos zum Flughafen nach Hannover. Die Eltern wollten ihre Jungen auf der ersten großen Auslandsreise wenigstens bis zum Flughafen begleiten. Kurzer und knapper Abschied. Die Buben waren mit Gedanken überall, doch nicht mehr beim Auf-Wiedersehen-Sagen bei den Eltern. Der Flug verlief reibungslos. Ich saß am Gang, und die Jungen in der Mitte und am Fenster. Beide wechselten mehrfach die Sitze, und als wir im Anflug mit der üblichen Kurve über Hotelzone, Strand und Meer waren, wurden die Augen ob der Farbenpracht des unter ihnen liegenden Geländes recht groß. Transfer ins Hotel war inklusive. Die ersten zwei Tage blieben wir im Hotel, und am 3. Tag wurden mir morgens vom Hotel abgeholt und im Buskonvoi ging es in Richtung Süden und dann ab Safaga östlich in Richtung Qena und Luxor. Die vielen unterschiedlichen Landschaften auf der Fahrt nach Luxor und die Menschen am Straßenrand beeindruckte meine junge Brut doch mächtig. S o l c h e  Dinge hatten sie in Deutschland zuvor nicht gesehen – Eselskarren, ein Gewusel von Kindern, die Wassergräben, in denen viel Unrat schwamm, die kleinen dörflichen Ansiedlungen, die sich links und rechts von der Straße befanden. LEBEN halt, wie es in Oberägypten alltäglich ist. Nach knapp 6 Stunden Bustour mit Pause erreichten wir unser Nilschiff.



Wir bezogen auf dem oberen Deck zwei nebeneinander liegende Kabinen. Die Buben hatten ihre, ich meine eigene Unterkunft. – Der erste Tag ging mit dem Kennenlernen des Schiffs mit allen zugänglichen Decks zu Ende. Das 1. Abendessen erfolgte schon in der Runde unserer Reisegruppe, die für die nächsten 7 Tage - bunt zusammegewürfelt aus Alt und Jung – zusammen bleiben würde. Unser Reiseführer – ja, wie hieß er wohl: Ahmed – sprach ein ausdrucksvolles und ausgezeichnetes Deutsch. Er gab uns Infos über die nächsten Tage auf dem Wege – dem Nil folgend – in Richtung Assuan. Die Ausflüge fanden zum Glück meist gleich vormittags statt. Die Hitze war dennoch teils bedrückend, vor allem, wenn unsere Gruppe mit Ahmed an der Spitze durch die Tempelanlagen stiefelte. In Assuan lag unser kleines, gemütliches Schiffchen fast zwei Tage. Diese Zeit nutzten die Jungen und ich für „Stadtstreichereien“ – Ahmed hatte Gefallen an meinen beiden Halbstarken. Er hatte selbst einen Jungen im selben Alter. So hatte ich auch mal Ruhe, denn Ahmeds Familie wohnte in Assuan, und er nahm die Jungen mit zu seiner Familie. Als die drei abends aufs Schiff zurückkamen, konnte ich die Schnatterei der beiden kaum bremsen. S o viiiel hatten sie gesehen und gehört. Und sogar mit ihrem Schulenglisch konnten sie sich mit Ahmeds Sohn ganz gut unterhalten. Na, wenn das kein Kennenlernen anderer Kulturen war. Rückblickend konnte ich auch bei den Jungen feststellen, dass sie nach Rückkehr einfach einen Schubs in Richtung Erwachsenwerden und eine bessere Augen-auf-Mentalität  hatten. - „REISEN BILDET“ – ohne Worte.



Den Höhepunkt zum Abschluss – bereits wieder auf dem Rückweg in Richtung Luxor -  bildet eine sogenannte „Galabeya-Party“. Dies bedeutete, dass sich fast alle Touris auf dem Schiff – nicht nur unsere Gruppe – in Ägypter verwandeln sollten. Also für mich war das keine Frage…. Ich machte diesmal nicht mit. Einige unserer Ehepaare verwandelten sich indes in hübsch gewandete Ägypter mit ihren Frauen, die in farbenprächtigen Gewändern oben auf der Deckspromenade zwischen den Sitzgruppen einherwandelten!  Es war ein gelungener Abend – ein schöner, stimmungsvoller Abschluss unserer Nilkreuzfahrt – auch im Hinblick auf Bildung von Gruppen und Grüppchen… Unsere Gruppe bildete ein Ganzes. Jeder achtete auf den anderen. Wenn der oder die eine aus der Gruppe mal nicht mitwollte, übernahmen Ahmed oder Mitreisende Aufsicht über unsere Halbwüchsigen, nicht nur über meine pubertierenden Jungmänner! Als wir nach einer Woche in Luxor wieder in den Bus nach Hurghada zum weiteren Badeurlaub einstiegen, gab’s doch einige Tränen, und das nicht nur bei den weiblichen Mitgliedern unserer Gruppe.






Nach einer langen Rückfahrt landeten wir wieder in unserem Badehotel „Palm Beach“ am nördlichen Rand von Hurghada. Zwar waren wir in den Herbstferien, doch hatten wir das Glück, unsere Zimmer behalten zu können, die wir zu Beginn hatten. So brauchten wir nicht groß umzuziehen – angenehm. Die Jungen hatten eine Junior-Suite – komb. Wohn-/Schlafzimmer mit Sitzecke und Bad/WC. Ich hatte das Glück, eine Suite mit getrenntem Wohnbereich und Schlafzimmer zu bewohnen. – Schon vor der Kreuzfahrt hatte ich die damalige – und jetzige – Hotel-Gäste-Managerin in der Hotellobby kennengelernt. Wir verbrachten – so es ihre Zeit erlaubte – auch privat im Hotel – mal am Pool oder in ihrem Büro – einige Zeit. Auch heute habe ich ab und an Kontakt per Facebook oder Email mit ihr. Sie ist für mich eine der liebenswürdigsten Menschen aus Europa (Schweizerin!), die ich in Ägypten kennengelernt habe. Sie ist von Hoteleröffnung an bereits in diesem Hotel. Sie ist mehrsprachig, aufgeschlossen und liebenswürdig. Nie hatte ich bei ihr das Gefühl, dass sie Hotelangestellte, Servicepersonal oder Gäste anders behandelte. Sie ist ein Schatz und hat in der letzten Zeit viel Leid durchgemacht. Auch meine beiden Trabanten bekamen von ihr Tipps für Sportmöglichkeiten. Sie war neben mir der Angelpunkt für die Jungen, um ihre  Ungeduld und ihr Temperament in die richtigen Bahnen zu  lenken.


So hatten wir weitere schöne Tage in diesem Ferienhotel. Junge Leute waren auch da, so dass meine beiden sich schnell mit einigen anfreundeten und ich „nur“ die „Oberaufsicht“ wahrzunehmen hatte. Als unser Urlaub sich dem Ende zuneigte, gab es vielfachen Austausch von Adressen, Tel.-Nummern und Emailanschriften. –


Zurück in Hannover, übergab ich meine Jungen – und die Verantwortung für sie – gern in die Elternhände zurück. Eine weitere gute Erfahrung für die zwei und mich!



Nochmal - Hurghada  - Jahr 2004 - 2010





In diesen Jahren bin ich noch einige Male nach Hurghada geflogen, diese Male jedoch wirklich Strandurlaub, meist im „Aida-Verdi-Resort“, dem jetzigen – nach Umbau genannten – Al Dau Beach CLUB.




KAIRO mit Großnichte – Januar  2011





Zur Konfirmation meiner Großnichte hatte ich ihr im April 2010 eine selbst entworfene  Einladung zu einer Auslandtour geschenkt. Das Land  und die Stadt gab ich ihr in Google-Earth-Koordinaten an. Sie fand durch Google-Earth heraus, dass es nach Kairo gehen sollte. Wir wollten dies zum Jahreswechsel 2010/2011 verwirklichen.



Flüge, Transfer und ein schickes kleines Boutique-Hotel auf der Nilinsel Zamalek waren schnell im Internet gebucht. Also fuhr ich am 31.12.2010 per Bahn nach Kassel und lud dort meine Süße ein, die von der gesamten Familie und ihrer besten Freundin tränenreich verabschiedet wurde – für EINE Woche gerade. Meine Große stürmte mit ihrem neuen Koffer direkt in unser 1.-Klasse-Abteil, das wir im IC nach Frankfurt-Flughafen reserviert hatten. Es war eine kurzweilige Bahnfahrt. Schnell erreichten wir diesen großen Flughafen. Ein bisschen Suche gab es schon, doch da wir Lufthansa/EgyptAir gebucht und Sitzplatzreservierungen hatten, war es kein Problem. Wir genossen danach den 4-Stunden-Flug nach Kairo-Heliopolis. Sie saß natürlich am Fenster. Diesmal musste ich den Mittelplatz nehmen. Doch was machte ich nicht für meine Große?



Nach Visumkauf und Koffer einsammeln ging es nach draußen. Dort wartete mit einem Schild unser Fahrer, der uns ins „Hotel Longchamps“ auf Zamalek brachte. Es war inzwischen dunkel – früher Abend – einige Stunden vor dem Neuen Jahr 2011. Viel Verkehr ist in Kairo zu jeder Tages- und Nachtzeit, doch hatten wir wohl Glück – es ging rasch, und bald standen wir in der Ismael-Mohamed-Straße vor einem recht alten Haus, wo im 5. und  6. Stock besagtes Hotel liegt. Unser Fahrer begleitete uns – vorbei am „Bawaab“, dem Doorman, des Hauses – bis zu einem der beiden wirklich alten Fahrstühle. Doch – zum Glück – brachte uns dieses klapprige Gefährt eine Woche lang sicher hinauf und hinunter. Oben angekommen – rechts aus der Lifttür – kamen wir zur Rezeption. Eine energische Dame in den 50ern begrüßte uns sofort herzlich auf Deutsch – Hebba Bakri, die Inhaberin des „Longchamps“. Ich hatte – naja, für eine Woche – die teuerste Zimmerkategorie für meine Großnichte und mich gemietet. Sie hatte ein wunderschönes Zimmer im 6. Stock, also über mir. Mein Zimmer war mehr ein großes Studio mit Wohn-, Schlafbereich und einer kleinen Küche und einem schönen, bequemen, supersauberen Bad mit funktionierender! Dusche! Schnell hatten wir unsere Koffer ausgepackt. Das „Longchamps“ ist ein Garni-Hotel, also mit Frühstücksbüffett, doch wir hatten jetzt abends Hunger. So fuhren wir mit dem Uralt-Lift runter, vorbei am Bawaab, der nun schon freundlich grüßte…. und dies eine Woche lang weiter tat. DER kennt seine Menschlein ganz genau, wer da so täglich ins Haus reinläuft und wieder rauskommt… Ihm gab ich einige Male einen 10-Pfund-Schein. Er freute sich sehr und riss uns während der ganzen Zeit schon immer die Fronttür auf, bevor wir zum Lift stiefelten. – Diese Art Türmänner oder „Portiers“ sind ein fester Bestandteil fast jeder Wohnungsanlage in Kairo und in ganz Ägypten. Sie kümmern sich um saubere Treppenhäuser, halten die Lifttüren - und manchmal auch die Hand – auf. Oft wohnen sie in einem winzigen Raum neben dem hinteren „Lieferantenaufgang“, den auch unser Haus + Hotel hatte. Wenn zB Apartments in den Häusern vermietet werden, übernehmen sie oft die Schlüsselübergabe, das Einsammeln von Müll, Abfall usw. Sie verdienen wenig, werden jedoch von allen Mietparteien mit einem kleinen Betrag monatlich unterstützt. Sie bringen die Post zu Fuß oder mit Lift in den obersten Stock, erledigen kleine Botengänge – sind also in einem Land wie Ägypten, das sehr viele Dienstleistungen für wenige Pfundbeträge bietet, äußerst wichtig. Viele Menschen haben dadurch Arbeit und einen Grundbetrag zum Leben…



In dieser Silvesternacht hatten wir unsere eigenen Wünsche für das Neue Jahr. Es wurden zwar auch einige Feuerwerke über Kairo abgeschossen, doch verglichen zu Deutschland war da wenig los. Wir stießen mit unserer Hotelchefin um Mitternacht mit Sekt und O-Saft für meine Großnichte an. Die Anreise von mir zuhause und Nordhessen forderte ihren Tribut, und so verkrümelten wir uns gegen 00.30 Uhr in unsere Betten.



Am 01. Januar 2011 hatten wir noch „Ruhepause und Eingewöhnung“. Nach einem fürstlichen Frühstück mit dem besten deutschen! Filterkaffee, den ich je in Ägypten trank, machten wir uns zu Fuß auf, um die Insel Zamalek zwar nicht zu umrunden, doch wenigstens unsere nähere Umgebung ein bisschen kennenzulernen. Zamalek ist neben Maadi eines der teuersten Wohngebiete in Groß-Kairo. Hier auf der Insel haben viele ausländische Botschaften und Konsulate ihren Sitz. Auch die deutsche Botschaft befindet sich auf Zamalek. Obwohl natürlich auch hier sehr viel Verkehr herrschte, hatte dieses Fleckchen Erde seinen ganz besonderen Reiz! Recht viel Grün an den Straßenrändern, manchmal durch den Staub und Schmutz kein Hell- sondern mehr ein Mittel- bis Graugrün, doch halt GRÜN! Eine Vielzahl von kleinen, hübschen Restaurants und Cafés luden zum Verweilen und Draußensitzen ein. Uns fiel sehr schnell unser späteres „Stammcafé“ auf – das „Café Noir“. Direkt an der Straße gelegen, zieht es mit einem freundlichen Ambiente die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Im Erdgeschoss saß man angenehm und konnte nach draußen schauen und das Alltagsleben der Menschen beobachten, die hier vorbeigingen. Im Obergeschoss waren weitere Tische und Sitzgelegenheiten. Wir blieben meist unten, um „schauen zu können“.



Auch ein hübsches italienisches Café entdeckten wir – direkt an der Uferstraße auf Zamalek, von dem wir einen weiten Blick über Kairo-City und die zahlreichen Restaurantschiffe am anderen Nilufer hatten. Ein schöner Ausblick!



Am 2. und 3. Tag hatten wir unseren privaten Reiseführer, den ich vorher per Internet kennengelernt hatte – auf Empfehlung meiner Freundin, die – verglichen mit mir – 10000% mehr Ägypten-Wissen hat als ich Anfängerin. Er holte uns pünktlich am Haus ab – unser Doorman hatte oben tel. Bescheid an der Hotelrezeption gegeben, dass dieser unten wartete…. Unser Sicherheitsinspektor in seiner Galabeya, dem typischen Kleidungsstück der Ägypter.



Mit seinem Pkw fuhren wir dann über die Kasr-El-Nil-Brücke in Richtung Pyramiden, also nach Giza. Wie ich oben – 1984 – beschrieb, war Giza vor 30 Jahren noch ein eigener Teil der Stadt Kairo, mehr mit Kleinstadtcharakter. Jetzt führen breite Straßen mit je 2 Spuren pro Richtung zum Pyramidenfeld. Seit einigen Jahren war ich nicht dort gewesen. Meine Großnichte saß vorn und bekam den Mund vor Staunen nicht zu.  – J a n u a r  2011, knapp 3 Wochen  v o r   der ägyptischen Revolution (25.01.2011). Es waren recht viele Touristen da, unser Führer ließ uns direkt vor dem eisernen großen Eisentor am Eingang zu warten. Er ging zum Ticketschalter und besorgte die Eintrittskarten. Er begrüßte fast alle um ihn, die etwas mit der Pyramidenverwaltung oder den Parkwächtern sowie allen anderen Mitarbeitern, die am Eingang herumwuselten, zu tun hatten. Ein Zeichen, dass man ihn gut kannte. Dies kam uns etliche Male an diesem Tag – auch in der Innenstadt Kairos – zugute.


Erst einmal brachte er uns die Größe des Pyramidenfeldes nahe – es ist schon ein großes Gelände, auf dem sich die drei Großpyramiden von Cheops, Chefren und Mykerinos (Großvater, Vater und Sohn) befinden. Viele kleinere Gräber waren zu besichtigen. Hinunter führten Stufen, manche nicht so tief unter der Erde gelegen. In eines dieser Gräber ging ich mit hinein. Die anderen, die meine Großnichte und unser Reiseführer besuchten, ersparte ich mir. Wir standen vor dem Sphinx, schon imposant mit seiner Höhe von ca. 20 m. Zu diesem Zeitpunkt wurde daran gearbeitet, und es stand ein Gerüst vor der ramponierten Sphinx-Nase. Weiter führte uns der Weg um die einzelnen Pyramiden herum. Händler, Touristen und Kamel- und Pferdeführer umwuselten uns. Unser Führer brachte meine Großnichte dazu, eines der Tiere zu besteigen. Klick-klick, Fotos gemacht, ein Bakshish – Trinkgeld -, und schon wartete der nächste Tourist, um auf ein Kamel oder Pferd zu steigen. Nach einigen Stunden merkten wir, wie anstrengend diese Besichtigung, besser Pflastertreterei zwischen Sand und kleineren und größeren Steinbrocken, doch war. Also fuhren wir am späten Mittag zurück in die Innenstadt. Dort stellte unser Führer seinen Pkw einfach in der 2. Parkreihe ab, sprach mit einem älteren Mann, der den Fußsteig kehrte, gab ihm einige Pfundnoten, und wir konnten sicher sein, dass dem Wagen nichts passiert – trotz der Tatsache, dass er im absoluten Halteverbot stand. So ist das in Kairo – und nicht nur dort. Bakshish und Beziehungen, die beiden wichtigen „B’s“ in arabischen Ländern! Und dann genossen wir in einem typischen Lokal für Einheimische ein sehr gutes Mittagessen. Meine Süße aß keinen Fleisch, so suchte Ismael für sie ein Reisgericht mit vielen Gemüsesorten und einer bekannten Soße – mit Sesam – heraus. Und wie ich am Appetit sehen konnte, leerte sich ihr Teller sehr schnell. Unser Führer und ich hatten uns Fleischspieße ausgesucht, ausgezeichnet. Und hinterher tranken wir einen kleinen schwarzen Kaffee, sehr stark gesüßt und mit Kardamom verfeinert. Dieser schmeckte nicht nur sehr gut, der Kardamomduft war angenehm, und das Koffein verteilte unser großzügiges Essen ein bisschen. Danach brauchten wir Bewegung, und so gingen wir noch in den bekannten Bazar Khan-El-Khalili. Hier fanden sich sämtliche Handwerksläden, vom Silberschmied über alle Lädchen mit allerlei Touristen-Schnickschnack mit Souvenirs in Form von kleinen Pyramiden, winzigen Sphingen-Figuren, Shishas = Wasserpfeifen in allen Größen und Farben, und - und - und. Ein verwirrendes Mit- und Durcheinander, auch hier und da kleine Lokale, wo die Einheimischen, durchgehend Männer, draußen saßen und ihren Kaffee oder Tee tranken oder eine Wasserpfeife rauchten. Die sehr schmalen Straßen sind eigentlich  nur für Fußgänger geeignet, trotzdem drängten sich Autos, kleine Lastwagen und Eselskarren hindurch. Wir mussten ständig aufpassen, nicht jemandem hinter, vor oder neben uns auf die Füße zu treten. Ca. 2 Stunden stiefelten wir also durch diesen weltbekannten Bazar, bis uns Ismael endlich eine Pause gönnte. Wir ließen uns in einem kleinen Einheimischen-Café nieder und bestellten nach Geschmack unsere Getränke. Abends – im Januar – kam die Dämmerung sehr schnell, und so fuhren wir gegen 17.00 Uhr zurück in Richtung Zamalek. An diesem Abend gab es in unserem „Café Noir“ noch einen Abendimbiss, und dann husch-husch zurück ins Hotel. An diesem Abend krochen wir früh in die Federn – wir waren fix und alle nach dieser Sightseeing-Tour.



Und am nächsten Tag standen das Islamische und das Koptische Viertel mit Altstadt auf dem Programm. – Auch dieser zweite Tag mit unserem Führer brachte uns viele neue Ansichten von Kairo. Er führte uns an einem alten Stadttor herein. Wir durchliefen dann kilometerweise kleine, enge Straßen mit vielen schönen alten Häusern, einigen sehr schönen Moscheen mit wunderschönen arabischen Ornamenten an der Außenseite. Es war schön, doch wieder anstrengend. – Am Mittag aßen wir wieder in einem kleinen Lokal, diesmal gab es Fischspezialitäten. Dieses – nur bei Einheimischen und kundigen Touristen – bekannte kleine Restaurant liegt versteckt im Bazarbereich. Selten habe ich so viel Gastfreundschaft erlebt. Da es Januar war, aßen wir doch lieber im Lokal und nicht draußen an einem der kleinen Tische. Frische Vorspeisen mit Salaten, Safranreis und ein ganz besonderer Fisch, der sehr teuer ist und auf eine spezielle Art zubereitet wurde, ließen wir uns schmecken. Auch hier bildete wieder ein Kaffee mit Kardamom den Abschluss. Rechnete man den Gesamtbetrag in Euros um, kamen weniger als 15 Euro – für alle drei bei einem 4-Gänge-Menü – zusammen. Vielleicht verdankten wir dies auch unserem Reisespezi, der natürlich! den Inhaber gut kannte und ihm so regelmäßig Touristen als Gäste brachte.



Anschließend fuhren zu den beiden bekanntesten Moscheen, die sich mitten in der City befinden. Eine der Moscheen beherbergte früher auch eine Koranschule (Madrassa) und sogar ein Krankenhaus. Lichte, hohe Wände mit wunderschönen Arabisch-Ornamenten, Teppiche in der gesamten Moschee. Natürlich zogen wir am Eingang unsere Schuhe aus. Er machte mit uns einen Rundgang durch die einzelnen großen Räume, und wir durften sogar mit einem islamischen Geistlichen – mit seiner Hilfe – sprechen und Fragen stellen. Besonders meine Großnichte war sehr interessiert, und am Ende sprach er für uns alle ein Gebet auf Hocharabisch, was uns sehr beeindruckte. Nach dem Besuch der 2. Moschee, in der sich u.a. der Sarkophag des letzten persischen Kaisers, Shah Reza Pahlavi, befand, waren wir nachmittags wieder im Hotel Longchamps. Wir verabschiedeten uns von unserem Kairo-Guide. Es waren zwei anstrengende, doch beeindruckende Tage gewesen.



Insgesamt waren wir eine Woche in Kairo. Nach diesen zwei Besichtigungs-Tagen gönnten wir uns einen Tag der Ruhe im Hotel mit dem einen oder anderen Bummel über die Insel – und natürlich auch gern in unser Stammcafé Noir.



Am vorletzten Tag – das hatte ich meiner Nichte, der Mutter meiner Großnichte,  versprochen- gönnten wir uns „noch etwas Kultur“ und fuhren mit dem Taxi von Zamalek zum Tahrir-Platz, dem „Platz der Freiheit“, auf dem 3 Wochen später die ägyptische Revolution gegen Mubara begann. Wir standen vor diesem riesigen roten Gebäude am Tahrir in der Schlange, um Eintrittskarten zu bekommen. Nach einigen Minuten betraten wir dann dieses weltbekannte Museum, das damals noch unter der Leitung des bekannten Leiters der ägyptischen Altertumsverwaltung, Dr. Zahi Hawass, stand. Dieser wurde zu Revolutionsbeginn schnell aus dem Amt gejagt.



Wir wussten anfangs nicht, auf welche Etage wir uns begeben sollten. Viele Tausende von Artefakte – Ausstellungsteilen -, so dass uns schnell der Kopf schwirrte. Kleinste Holzgegenstände, die eine Dhau darstellten, ein uraltes typisches Segelboot mit Winzlingsmenschen, alle sauber geschnitzt, teils noch Originalfarbe zeigend…. Steinstelen mit Hieroglyphen, den Zeichen des ältesten bekannten ägyptischen Schriftsystems. Zahlreiche Holz- und Steinsärge – Sarkophage – teilweise mit Mumien. Beeindruckend viele Ausstellungsstücke auf drei Etagen. Von den Emporen der Stockwerke konnte man in das Untergeschoss schauen. Dort wurden viele Stücke, die zur vorübergehenden Ausstellung vorbereitet wurden, bearbeitet, bzw. auch Särge usw., die gerade wieder in die riesigen Kellergewölbe zurückgebracht werden sollten. Stundenlang sahen wir diese Wunderdinge aus fast vier Jahrtausenden seit Beginn der ägyptischen Hochkultur an.


Danach setzen wir uns vor dem Museum noch in ein hübsches Café, das auch natürlich Tausende von Souvenirs anbot.


So war es für uns ein schöner Urlaub mit und ohne Kultur… Nach einer Woche gab es einen herzlichen Abschied von unserer Hotelchefin und den Angestellten. Rückflug verlief gut, und meine Große war froh, wieder zu Hause zu sein.



Hurghada - KAIRO  – Januar  bis Sommer 2011





Seit längerem war ich in einem deutschen Forum unterwegs, das sich besonders mit dem unappetitlichen Geschäft der sog. „Beznesser“, nein, nicht Bettnässer, in den großen Touristengebieten in aller Welt beschäftigte. Hier sind insbesondere einige Mittelmeer-Anrainerländer zu nennen, wie Tunesien, Marokko und – nicht zuletzt – auch Ägypten. Speziell in den Feriengebieten am Roten Meer, Hurghada, wie auch in Sharm-El-Sheikh und in Oberägypten, Luxor. Bezness bedeutet schlicht und einfach, dass sich junge männliche Einheimische an Frauen, die in diesen Ländern ihren Urlaub verbringen, heranmachen, sie mit ihrem Charme einwickeln…. und sich viele Vorteile verschaffen, oft sogar bis zu einer Heirat mit Anerkennung in Deutschland, also eine erste zeitweilige Aufenthaltserlaubnis für Deutschland oder andere Länder in Europa.



Mir fiel unter „Bezness in Ägypten“ Kommentare eines Europäers auf, der hierzu ganz klare Ansichten hatte und diese in seinen Posts sehr offen, manchmal drastisch, schilderte. Er schilderte aus eigener Anschauung, nicht aus dem Erleben heraus, wie es so in Hurghada zuging. So meldete ich mich dort an, schrieb an und zu, was ich selbst bei vorherigen Urlaubstrips gesehen hatte… Irgendwann traf es sich, dass wir uns gegenseitig „anschrieben“ . Nach einigen Wochen fragte ich bei den Forums-Administratoren an, ob ich ihm eine Nachricht zusenden könne. Diese wurde weitergegeben, und so entwickelte sich ein Emailschriftwechsel, der in den nächsten Monaten um die 200 Mails umfasste. Irgendwann kamen wir auch mal darauf, dass ich, wenn ich einen günstigen Flug fände, mal wieder nach HRG kommen könne.


Er bejahte das und meinte, er habe günstig ein Apartment in seinem Wohnblock an der Hand. Gesagt – getan. Ende Juni 2011 flog ich ans Rote Meer. Wir hatten Bilder ausgetauscht, so dass wir uns am Flughafenausgang sofort erkannten. Ein Freund und er brachten mich – nachdem wir gleich für die ersten Tage Lebensmittel und Wasser besorgt hatten – in das Apartment. Sehr schön eingerichtet, europäisch, sehr sauber und bequem und sogar mit seitlichem Meerblick. Dieses Apartmenthaus lag in einem Viertel, wo zahlreiche kleine Hotels liegen, die viel von Einheimischen gebucht werden. Auch zahlreiche europäische Residenten, Dauerbewohner in Hurghada, hatten dort ihr Zuhause. Kleine gemütliche Kneipen und Lokale lagen ganz in der Nähe, eines davon wurde auch meine Stammkneipe. In den ersten Tagen gewöhnte ich mich daran, dass ich nicht im Hotel war, meine Zeit ganz frei einteilen konnte – ob Frühstück und wann, meine Entscheidung. Unsere Apartments lagen nebeneinander. Mittags ergab es sich so, dass ich bei ihm schellte. Dann gab es rabenschwarzen Kaffee und viel Unterhaltung. Zog sich manchmal stundenlang hin. Er berichtete über sein Leben in Ägypten,  die Arbeit und alles Mögliche.



So erhielt ich einen ersten Einblick in sein Leben. Auch ich erzählte ihm sehr viel von mir. Von Anfang hatten wir einen besonderen Draht zueinander. So viel Wissen, Verständnis und Hilfsbereitschaft, die er anderen Menschen – wie auch mir – angedeihen ließ, machten nicht nur Eindruck bei mir. Sie vermittelten mir das Bild eines Menschen, der viel im Leben mitgemacht und erlebt hat, nie groß nach sich, sondern erst nach anderen fragte…. denen er helfen konnte. Natürlich war dieses Kennenlernen zeitlich begrenzt. Er hatte seinen Job, ich war auf Urlaub da. So machte ich mich auf, auch mal an den Strand zu kommen. Zu „unserer“ Stammkneipe gehörte eines dieser kleinen einheimischen Hotels. Er fragte, so konnte ich an den Strand, ohne den üblichen Eintritt zu zahlen, den Nicht-Hotelgäste zahlen. Mein Spar-Ticket sagte, dass ich nach 10 Tagen nach Berlin zurückfliegen sollte. Allerdings geschah am 6. Tag etwas, was dazu führte, dass ich um einige Tage verlängerte. Mein Gastgeber war bereits im Lokal, ich wollte nachkommen.



Es war gegen Abend, ich machte kein Flurlicht an, und so verfehlte ich zwei, drei Stufen auf dem Weg nach unten, knickte mit dem li. Fuß schmerzhaft um …. und humpelte die etwa 100 m in die Kneipe. Der Knöchel schwoll an. Mir wurde gesagt, Fuß hochlegen. Jemand kümmerte sich in einer Apotheke um Elastikbinde, Schmerzgel und Tabletten. Alles kam schnell, und dann wurde mir fachgerecht ein Entlastungverband angelegt.


Zwar wurde es in den nächsten Tagen etwas besser, doch zurück mit einem derart lädierten Fuß: besser nicht. Er bot mir an – nachdem ich vorab fragte -, dass ich noch einige Tage im Apartment bleiben könne. Also buchte ich um und hatte weitere Urlaubstage, die allerdings humpelnderweise und ortsmäßig etwas gebunden vergingen. Zum Schluss brachte er mich zum Flughafen. – Wir blieben in den nächsten Wochen über das o.a. Forum wie auch mit einigen Mails in Kontakt.



Im besagten Forum schrieb mich etwa Ende Juli eine Frau an, die die Berichte von meinem Gastgeber bzw. mir gelesen hatte. Sie hatte wohl im gleichen Wohngebiet seit Jahren eine Wohnung und kam regelmäßig aus Gesundheitsgründen nach Ägypten. Irgendwann landete im Forum-Mailfach bei mir ihre Bitte, ob ich sie mal kontaktieren könnte. Das machte ich, und so entwickelten sich hier Mailverkehr  bzw. Skype-Chats zwischen ihr und mir. Nach einigen Wochen stellte ich auf ihre Bitte hin einen Kontakt zu meinem Gastgeber her. – Was da an Mails usw. erfolgte, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall war sie sehr begeistert von ihm, und – wirklich der Zufall – ihre Wohnung lag nur einige Minuten vom Apartments meines Gastgebers entfernt. Sie war wohl auch auf einen „Bezzie“ hereingefallen und holte sich also Rat bei meinem Bekannten. Das hörte ich von ihr in Telefonaten bzw. in den Chats, die wir führten.



Im September 2011 gab es wieder mal günstige Flüge, und ich machte mich kurzfristig nach Hurghada auf. Weder sie noch er wussten, dass ich kommen würde. In einem kleinen, nahe der Stammkneipe gelegenen Hotel hatte ich über das Internet für 2 Wochen ein Zimmer gebucht. Nach Ankunft rief ich über meine ägyptische Mobil-Nr. meine Bekannte an, die zu der Zeit in Hurghada war. Ich fragte sie nach dem Wetter…. Ich saß nur ca. 200 m von ihrem damaligen Strand. Ergebnis: Wollte sie nicht zu sehr ärgern.. und fragte sie, ob wir uns in unserer Stammkneipe treffen wollten. Einige Minuten später kam sie mit ihrem kleinen Hund an. Wir kannten uns nur von den Bildern im Skype-Chat, trotzdem wussten wir sofort, wer wir waren. Sie berichtete mir einiges über unseren gemeinsamen Bekannten. Hörte sich sehr positiv an, nannte vieles, was sie seit einer Woche unternommen hätten, Kochen, mal ein Bier trinken gehen usw.


Was sollte ich dazu sagen? Mir fiel zwar bei der Schilderung ein wenig die Kinnlade runter, ich enthielt mich jedoch ziemlich bedeckt mit Äußerungen. Ich nahm ihr das Versprechen ab, dass sie meinem ehemaligen Gastgeber nichts von meiner Ankunft sagen sollte. Das versprach sie. Da ich wusste, dass er abends oft in „unsere“ Kneipe kam, war wahrscheinlich, dass ich  ihn bald sehen würde.



Abends saß ich mit meinem Netbook im Lokal, hatte mein Abendessen vor mir und wurde plötzlich von der Seite angesprochen – SIE und ER kamen mich auf mich. Kurze Begrüßung, dann ziemlich abruptes Wegdrehen und, schwupps, saß ich wieder allein am Tisch. Nun gut, was machen? Nix, ich war nicht gerade glücklich, hatte ich gehofft, dass wir drei einen gemeinsamen Abend hätten, es gab sicher genug zu erzählen. Also gewöhnte ich mich in den nächsten Tagen daran, nicht „gesehen“ zu werden. Mein Hotel hatte eine Vereinbarung mit dem gegenüberliegenden Strandhotel, und so wurde ich dort am Strand Stammgast und genoss im Schatten verdösend einige Tage. Ab und an sah ich in der Strandbar meinen früheren Gastgeber und meine Bekannte, jedoch nur aus der Ferne. Nach dem Zusammentreffen am 1. Abend hatte ich nicht viel Lust, da 5. Rad am Wagen zu spielen. So waren diese Tage für mich Urlaub, doch mit einem nicht zu unterschätzenden unangenehmen Hintergrund. War es etwa Eifersucht auf meine Bekannte aus dem Forum? Ich – dumme Kuh, die die beiden zusammengebracht hatte, damit sie ihre Bezzie-Probleme, wobei es auch um größere Geldsummen ging, mit  Hilfe meines Bekannten – lösen konnte? Irgendwo kochte meine Galle hoch …. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich war froh, als ich mich am Urlaubsende ohne Abschied in Richtung Flughafen fahren lassen konnte.



Zu Hause hatte ich an mir zu arbeiten – irgendwann in der nächsten Zeit folgten von ihr und ihm einige Mails bzw. Chatversuche, die ich ziemlich schnell abbrach. Ich war stinkig, auch auf mich, dass ich mich so wenig in der Gewalt hatte. Was war schon geschehen? ---



In den Folgemonaten entgleiste mir meine Freundschaft zu meinem Gastgeber, was sicher auch an mir lag. Mit unserer gemeinsamen Bekannten chattete ich einige Zeit, merkte dann jedoch, dass sie plötzlich sehr unfair über ihn schrieb und angebliche Fakten über ihn, die mich höchst verwunderten bzw. entsetzten. Das war Verleumdung, fast weiter bis zum Rufmord. War es ihre „Rache“ an ihm, dass er im Herbst 2011 keinen Bezug mehr zu ihren Problemen hatte? Ich hatte keine verlässlichen Infos, also blieben Spekulationen. Doch die sind meist gefährlich. Also entzog ich mich erst mal dem weiteren Kontakt mit beiden. Hier ein Schlusspunkt, es war zu unangenehm für mich. - - -



Im September 2011 flog ich dann von Berlin aus wieder nach Hurghada, diesmal ohne jeden telefonischen Kontakt zu ihm. – Es war ein Fehler, im Nachhinein, ein Hotel zu wählen, das in der Nähe seiner Wohnung lag. Ging er in „unsere“ Stammkneipe, die mein Lieblingsaufenthaltsort blieb, kam er am Hotel vorbei. Allerdings bekam ich meist nichts davon mit, da ich mich tagsüber am Strand des gegenüberliegenden Hotels aufhielt. Einige Male begegneten wir uns, diese Male mehr mit schmalen Lippen und nur einem „Hallo“, sonst nichts. Es war reine Selbstzerfleischung, dies zu tun. Hinterher ist frau klüger….


Meine innere Verbundenheit zu meinem Gastgeber hatte zwar Risse erhalten, doch er war – und ist – in vielen Dingen, die ich täglich erleb(t)e, eine Richtschnur. Nicht in allem war ich seiner Meinung. Allein der Altersunterschied brachte verschiedene Sichtweisen des Alltags mit sich. Das Jahr 2011 neigte sich seinem Ende zu, und ich bekam nur noch sporadisch mit, wie es ihm ging oder was es an Neuigkeiten gab.


Oft dachte ich an die ersten Abende zurück, wo wir bis zu 7 Stunden nachts in der Kneipe saßen, Laptop und Netbook, ohne benutzt zu werden, heiß liefen und wir über Gott, die Welt und die Dinge sprachen, die ihm und mir im Kopf und im Herzen herumliefen…


Irgendwo war da eine Blockade, ich hätte ihm jederzeit schreiben oder mit ihm skypen können – was hielt mich zurück? Ich selbst hielt mich zurück… Wir hatten nur sehr selten Mail- oder Chatkontakt….



Hurghada  – Kairo -  Frühjahr und nov./ DEZ. 2012





Im Frühjahr – Ende März/Anfang April - flog ich wiederum nach Ägypten, wieder in das kleine Hotel. - Oft sah ich ihn abends mit Freunden dort sitzen, manchmal allein, immer den Laptop vor sich. – Meine befreundete Familie in Kairo wusste, dass ich in Ägypten war. So folgte eine Einladung nach Kairo. Diese nahm ich gern wahr. Wieder eine 6stündige Busfahrt von Hurghada am Roten Meer entlang, über Ain-El-Sokhna mit seinen zahlreichen 4- und 5-Sterne-Hotelanlagen. Dieses Feriengebiet liegt nur ca. 130 km von Kairo-City entfernt. Viele Einwohner nutzen am Wochenende diese Möglichkeit zum Kurzurlaub. Dann sind diese hochpreisigen Hotels voll mit Ägypten und deren Kindern, angereist mit der gesamten Verwandtschaft. Europäischen Gästen empfehle ich, NICHT zwischen Donnerstag und Samstag hinzufahren. Diese Tage sind Wochenende der Ägypter. Und viele aus der Mittel- und Oberschicht in Kairo – und davon gibt es viele Tausende – reisen dann in dieses nahe gelegene Ferienresort. –



Am Busterminal holte mich meine Patentochter, die älteste Tochter der Familie, mit Mamas großer Limousine ab. Es war beeindruckend, zu sehen, wie dieses zierliche Persönchen diesen schweren Wagen mit einer Leichtigkeit durch den Feierabendverkehr in dieser ständig und völlig verstopften Mega-City  mit – Sorry – stinkenden Autos, Lkw, Eselkarren und Menschen fuhr. Es dauerte doch ziemlich, bis wir am Heim der Familie in Heliopolis ankamen. Wieder wurde ich durch Hausherrin, die beiden Brüder und die jüngere Schwester begrüßt. Es war, als sei ich von einer Reise nach Hause gekommen. Ich stand oder saß mit in der Küche bei Muttern, die sich um das warme Abendessen für alle kümmerte. Ich schnibbelte Gemüse, spielte Topfguckerin in den verschiedenen Töpfen auf dem Herd  und deckte mit den Tisch im Salon. Fast jede Familie hat einen solchen, meist ist es eines der größeren Zimmer in einem Apartment oder der Wohnung. Die Familie benutzte allerdings ihren Salon auch im Alltag, nicht nur, wenn Besuch kam. Ich hatte WLAN, so dass  ich meine Erlebnisse  aufschreiben konnte. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon bei Facebook, doch hatte ich noch nichts in meiner Chronik veröffentlicht.



Nach dem langen und gesprächsreichen Abendessen blieben wir im Salon, der so groß wie 2 Zimmer hier in Deutschland war, so um die 50 qm. So verkrümelte sich die Familie, einschl. mir, in eine Ecke. Teils wurde gelesen, TV geschaut mit Kopfhörern, um andere nicht zu stören. Die Jungen zogen sich in ihr Zimmer zurück, nehme an, am PC sitzend. Ich ging auch online, um noch mit Freunden in Deutschland und in Kairo zu chatten. Zwischendurch gab es – trotz des opulenten Essens – immer wieder arabische Leckereien, Süßigkeiten, die sehr gut schmeckten, doch um diese Zeit im Magen lagen. Ab und an ein einheimischer Minzetee, der den strapazierten Magennerven doch gut tat….  Es war Donnerstag auf Freitag. So blieben wir bis weit in die Nacht auf…. Die Schwestern teilten sich ein Zimmer, die jüngere schlief dann bei Mama. Der Vater war in Saudi-Arabien, wo die Familie Unternehmen besitzt. So hatten meine Patentochter und ich noch viel zu schwatzen, doch irgendwann war auch bei uns Sendepause bis in den späten Freitagmorgen hinein. Erst gegen 11.00 h trafen wir uns zu einem wiederum ausgiebigen, langen und gemütlichen Frühstück. Erstaunt war ich, dass ein 600-g-Topf Original-Nutella auf dem Tisch stand. Ich esse es nicht, doch scheint es für die Ägypten DER Morgengenuss zu sein. Dieser Brunch ging bis Mittag. Meine Patentochter erhielt – trotz des islamischen Sonntags – Firmenanrufe. So zog sie sich für einige Zeit in ihr Zimmer zurück, um online Arbeiten zu erledigen. Der jüngste Sohn lernte zu der Zeit schon Deutsch; so radebrechten wir in Englisch, Deutsch, Französisch und meinem bruchstückhaften Arabisch über dies und das. Besonders fiel mir auf, dass alle in der Familie an meinen persönlichen Ansichten über Tagespolitik und Menschen, die in der Weltöffentlichkeit standen, Interesse hatten. – Um diese Zeit lag die ägyptische Revolution mehr als 14 Monate zurück. Der jetzige Staatspräsident der Arabischen Republik Ägypten, Moh. Mursi, war damals noch nicht gewählt. Die politische Situation war zwar instabil, doch nicht so widersprüchlich wie  in 2013, zum Zeitpunkt dieser Niederschrift im Juni 2013.



Da ich mich sehr für andere Kulturen und Religionen interessier(t)e, hatte ich die beste Gelegenheit, Fragen zu stellen und mir Infos über  Eigenheiten bei den Gebeten eines gläubigen Moslems, die Sharia, das im Koran festgeschriebene Rechtswesen, zu holen. Am Abend brachte mich meine Patentochter zurück zum Busterminal zur Rückfahrt über Nacht nach Hurghada. Es war auch ein Abschied von ihr. Sie war mit mir vorher noch in der Moschee bei dem Geistlichen gewesen, der sie und ihren Verlobten im Juni trauen würde. Sie besprach mit ihm die ersten Einzelheiten bezüglich der Trauungszeremonie in der Moschee. – Die Bilder, die ich nach der Trauung per Mail erhielt, waren für mich überwältigend. Ich kannte ihren Verlobten und Mann nur aus einigen Videos, Bildern und einigen Kommentaren, die wir in Englisch mal geführt hatten. Beide verzogen nun nach Großbritannien, wo er vorher schon gearbeitet hatte.


Wieder zurück im Hotel, blieb ich  noch wenige Tage. Diesmal war ich mehr als froh, die Rückreise anzutreten.

Den Sommer über blieb ich zu Hause…. Mehrere Reisen hintereinander kosten eben. In den Herbstferien saß ich mal wieder mit einer besten Freundin bei mir. Sie war noch nie in Ägypten und hatte sich manches Mal über meine Erzählungen amüsiert oder interessiert zugehört. Als ich wieder von Kairo in der Nach-Revolutionszeit erzählte, fragte sie spontan, ob wir nicht mal zusammen nach Ägypten fliegen wollten. Wir planten – suchten in Hurghada eine Unterkunft und buchten für Ende Nov. bis Mitte Dezember 2012 einen Flug dorthin.


Der Sohn meiner Freundin brachte uns an einem kalten November-Morgen zum Flughafen. Der Flug in die 5 Flugstunden entfernte Stadt Hurghada ging schnell vorbei. Flug, Einreise mit Visumskauf und Abholung durch unsere Gastgeber verliefen recht reibungslos. Nachmittags fuhren wir  in die Senzo Mall bzw. in das große Einkaufscenter Spinney’s. Dort erledigten wir unsere Einkäufe. Wir hatten ein geräumiges Apartment im Süden der Stadt gemietet. Ein großer Balkon gab uns die Sicht auf den Ortsteil, das Rote Meer und die sich anschließende Wüste frei. – Wir hatten Selbstverpflegung – Küche vorhanden -, es war ideal. Aufstehen, ausschlafen, faul sein, Lesen, mal abends deutsche TV-Nachrichten schauen, Sightseeing – alles in diesen 2 Wochen war drin. Wir verlebten die ersten Tage mit Lesen, Spazierengehen und Fahrten in die Hotelzone. Dort ernannten wir eine Restaurant/Bar zu unserer Lieblingskneipe. Täglich fuhren wir also mit unseren Freunden oder per Taxi dorthin. Sie lag am Strand und gefiel meiner Freundin besonders. Von dort ging sie auch einige Male in die benachbarten Einkaufscenter, um Souvenirs für die Familie auszusuchen. Ich blieb dann in der Bar, nutzte die Internetverbindung und vertrieb mir dadurch und Lesen die Zeit. Zwischendurch ein kleiner Imbiss, eine gute Tasse Kaffee oder einfach nur ein Schwatz mit dem Chef dieser „In-Kneipe“. –



Vor Abreise hatten wir mit meinem damaligen Reiseführer in Kairo zwei Tage Besichtigungstour vereinbart. So brachen wir Mitte des Urlaubs nach Kairo auf. Wieder die beschriebene – diesmal nächtliche – Busfahrt vom Terminal aus.


Tja, und bei diesem Aufenthalt gab es diesmal lange Treffen in meiner „alten“ Stammkneipe mit meinem guten Freund. Ihm stellte ich meine Freundin vor. Wir drei saßen also wieder stundenlang – bis morgens um 02.30 h – zusammen. Der Gesprächsstoff ging uns nicht aus. Neuigkeiten über die Menschen, die ich von meinen vorherigen Reisen kannte, Altes und Neues, was im Stadtteil in meiner Abwesenheit von 6 Monaten geschehen war – und vieles mehr. Auch meine Freundin verstand nun, weswegen ich von meinem „besten Freund“ sprach. Nach einer Taxifahrt also zum Busbahnhof… die länger dauerte, weil sich der Taxifahrer trotz klarer Infos nicht in seiner eigenen Stadt auskannte – ging es auf Nachtfahrt nach Kairo. Morgens pünktlich gegen 06.00 Uhr stiegen wir am Busendpunkt in Kairo-Nasr City aus. Selbst an diesem Freitag-(Sonntag-)morgen in Kairo brauste um uns der Verkehr in mir bekannter Stärke. Für meine Freundin war es ein „neues Geräuscherlebnis“, nicht unbedingt angenehm, wenn frau Lärm nicht so gut verträgt und dies erstmals erlebt. Nach einer Stunde Wartezeit holte uns der Reiseführer ab und brachte uns in das Apartment, das Bestandteil unserer Buchung gewesen war. Wir konnten uns endlich frisch machen. Gegen 10.00 Uhr holte er uns wieder ab und fuhr fast eine Stunde lang in Richtung City zurück. Viel Verkehr, doch unser Reiseführer,  in Kairo geboren, kannte die Stadt und den Verkehr wie seine Westentasche. Da er jahrzehntelang in Deutschland studiert und gearbeitet hatte, war sein Deutsch fast fehlerfrei, und es gab keine Unklarheiten, auch nicht im Umgangsdeutsch….. Nun machten wir das gleiche Besichtigungsprogramm mit, dass ich in meiner Schilderung vom Januar 2011 mit meiner Großnichte bereits beschrieb. Allerdings hatten wir nachmittags am 1. Tag eine persönliche Begegnung mit einem jungen Mann, den ich vorher durch Internet, Foren, Videoanrufe und Telefonate kannte. Wir hatten uns um 17.00 h im bekanntesten und einem der ältesten Kaffeehäuser im Bazarviertel Khan-El-Khalili verabredet – dem „Fishawy“. Unbeirrt – trotz der wuseligen Menschenmenge in den engen Bazargasse – bahnte sich unser Führer den Weg, bis wir nach gefühlten Stunden plötzlich direkt  i m  „Fishawy“ ankamen. Es ist durch altmodische Glastüren von den umgebenden Gassen abschließbar. Zu diesem Zeit waren alle Glastüren offen, und viele Tische standen direkt davor in den Bazargassen ringsrum. So hielten wir Ausschau nach einem großen, jungen Mann. Recht schnell entdeckte unser Führer ihn, und es folgte eine herzliche Begrüßung aller. Wir bestellten Getränke, und dann unterhielten wir uns in lockerer Atmosphäre. Mein junger Freund wusste, dass wir Frauen mit Reiseleiter auftauchen würden. Auch die Männer verstanden sich gut. Umgangssprache war Deutsch, zum Erstaunen aller sprach auch der junge Mann nahezu fehlerlos Deutsch.



Zum Abschluss erhielten wir Frauen von diesem je ein Original-Papyrus. Wir waren sehr dankbar. Echte Papyri sind auch in Kairo kostspielig. Also bedankten wir uns herzlich. An diesem Abend waren wir froh, als wir im Apartment bleiben konnte, eine Kleinigkeit aßen und dann wie die Baumfäller in die Betten fielen. Am 2. Morgen – nach schneller Morgentoilette, einem Kaffee – ging es weiter mit der Sightseeing-Tour. Wie oben geschildert, waren wieder die zwei großen Moscheen mit im Programm. Mittags landeten wir wieder im Spezialitäten-Lokal, das meine Großnichte und mich in 2011 schon mit ausgezeichnetem Fisch begeistert hatte. Diesmal saßen wir draußen vor dem Lokal, unser Führer, meine Freundin und ich, an schnell zusammengestellten provisorischen Tischen und auf Campingstühlen. Das tat der einmaligen Atmosphäre keinen Abbruch. Nach ausgiebiger Mahlzeit folgte wiederum der starke, mit Kardamom versetzte, süße Kaffee, der mit jedem Mal besser schmeckt. – Danach war Laufen durch die schier endlosen kleinen Straßen, in die Silber- und Kupferschmiedegassen, angesagt. Gegen Abend hatten wir keine Füße mehr. Wir waren deshalb froh, dass unser Führer in der Nähe des Busbahnhofs in einem kleinen, einheimischen Coffeeshop absetzte. Hier warten wir auf unseren Bus, der Nasr City um 23.59 Uhr verließ. Die Nachtfahrt dauerte etwas kürzer, so standen wir gegen 04.30 Uhr in Hurghada am Busendpunkt. Schnell eine Taxi herbeigewinkt und ab in Richtung südliches Hurghada. Da ich Schlüssel für die Haustür hatte,  war es kein Problem, in die Apartmentanlage zu kommen. Vor diesem Haus steht eine kleine, roh zusammengezimmerte Holzhütte, in der der Haus-„Bawaab“, der Türmann, wohnte. Er kam sofort auf uns – es war ja noch dunkel – und brachte uns die 20, 30 m bis zur Tür, damit wir nicht in der Dunkelheit über offen liegende Kabelkanäle, Löcher in der Straße oder einfach nur von dem hohen Fußsteig vor dem Haus fielen, der irgendwo anfing und genau so plötzlich wieder aufhörte…


Ab in die Wohnung, Sachen verstaut, Katzenwäsche – Zähneputzen, in der Morgendämmerung legten wir uns hin. Zufrieden mit dem Erlebten in Kairo, doch kaputt von diesem Marathon in 2,5 Tagen.


Die Resttage vergingen wieder in stetigem Wechsel mit Ausschlafen, auf dem Balkon sitzen, schwatzen und ab und zu in die Stadt hineinzufahren, um andere Menschen zu treffen.

Für den letzten Abend  hatten wir als noch ein Treffen mit unserem – inzwischen – gemeinsamen Freund vereinbart. Wieder wurde aus der Stippvisite in der „alten“ Stammkneipe ein langer Abend mit viel Gesprächsstoff, u .a. auch über unsere Tage in Kairo.

Am 10.12. ging es zurück ins inzwischen s..kalte Deutschland mit Schnee. Morgens gegen 02.30 h waren wir dann wieder zu Hause.

In den nächsten Wochen sandte meine Freundin zahlreiche ihrer Bilder, die sie in Kairo und in Hurghada geschossen hatte, an diejenigen, die uns während dieser Reise nahe gestanden hatten. - Auch ich erhielt den gesamten Bilderordner. Ich selbst bin eine lausige Fotografin. Meine Bilder zeigen meist „viel Landschaft, dafür wenig Menschen“.


Der nun folgende Winter 2012/13 zeichnete sich durch eine beträchtliche Länge aus…



Hurghada  - Frühjahr  2013





Regelmäßig schaute ich bei den Last-Minute-Angebote nach günstigen Flugangeboten.


Letztendlich buchte ich doch wieder bei Condor für 11 Tage  im März des Jahres. Auch diesmal blieb bei meinen Gastgebern im Süden von Hurghada, wo ich ein kleines Studio bewohnte. –



Schon am ersten Tag besorgte ich mir einen Internet-Stick und eine Aufladung meiner ägyptischen Mobilfunk-Nr.  Im Laufe des nächsten Tages rief ich dann bei unserem Freund an. – Er meldete sich, erstaunt, dass ich wieder da war, fragte, wo ich z. Z. sei bzw. diesmal wohnte. Ich beantwortete seine Fragen… er schien sehr beschäftigt zu sein. Ein Treffen kam in den nächsten Tagen nicht zustande. Am 3. oder 4. Tag erhielt ich einige SMS des jungen Mannes aus Kairo, den wir im Dezember im „Fishawy“ getroffen hatten. – Er wollte einige Tage ausspannen – sein 1. Urlaub im Leben, allein, ohne Eltern oder Geschwister. Also besprachen wir, wie er wann nach Hurghada fahren konnte, wo ich für ihn ein Zimmer für 2,3 Tage in der Nähe des Busbahnhofs reservierte. Am nächsten Tag fuhr ich – nach Info durch ihn – also in Richtung Norden. Wir trafen uns in der Lobby dieses kleinen Hotels, wo ich auch bereits mehrfach wohnte. Es war sehr schön, ihn gesund und munter wiederzusehen.


Später wechselten wir in die Hotelzone, in diese Barlokalität. Diese gefiel ihm wohl sehr gut; auch der Barchef, den ich ja inzwischen gut kannte, fand sofort Kontakt zu ihm. Allein schon dadurch, dass mein Kairo-Gast gut Deutsch sprach. Zwei lange Nachmittage und Abende verbrachten wir dort. Viele Gespräche über seinen Beruf, seine Familie u.a.m. – doch besonders über eigene Lebensperspektiven und seine politischen Ansichten. So lernte ich ihn auch besser kennen. Am 3. Tag telefonierte ich kurz mit ihm – er war auf dem Wege zurück nach Kairo.

Auch diesmal liefen mir die Urlaubstage fast weg. Am 25.03. flog ich nach Hause, in eine kalte und ungemütliche Winterlandschaft. Glück hatte ich, dass eine Freundin mit mir in der gleichen Maschine saß und mich sogar noch nach Hause fuhr. Dank an sie!



Hurghada  - „Sommer“  2013





Zwischen Frühjahr und jetzt – Anfang Juni – folgten lange Chats in einigen sozialen Netzwerken und etliche Emails zwischen meinem Freund in Hurghada und mir.



Meine Gemütslage glich öfters einem Wellenberg…. mal sehr froh über seine und meine launigen Chatbeiträge, mal – vielleicht auch, weil wir zu weit auseinander wohnen – liefen schriftliche Chats in eine gänglich andere Richtung.



Bedingt durch eine gesundheitlich angespannte Situation und daraus folgend - einer Kurschlussaktion - erfolgte am 03. Juni d.J. ein Vorgehen von ihm, das mich zwar überraschte, mich jedoch sehr anrührte, da sie zeigte, dass er sich Sorgen gemacht hatte. Dies muss ich wohl in völlig falscher Weise angenommen bzw. interpretiert haben.


Endergebnis war – ich hatte mein Konto in zwei sozialen Netzwerken deaktiviert, und er strich mich gestern aus allen gemeinsamen Kontaktlisten, dachte ich jedenfalls…


Dies ist für mich eine bittere Erkenntnis. Er hatte mir in diesen 2 Jahren so viele amüsante und interessante Gesprächsrunden geboten. Wie viele Male dachte ich hier in Deutschland: DAS müsste er sehen oder miterleben. - Ich war wohl zu beschränkt, dies richtig zu werten und ihn als wahren Freund zu erkennen. -Zwei Wochen später war ich plötzlich bei „ihm“ wieder in den Listen – Erleichterung ja, doch noch keine Aussprache, geschweige denn eine Entscheidung über die Fortsetzung unserer Freundschaft.


Stand:  September 2013
Leider weiß ich jetzt nur Negatives zu berichten…. ALLES, was ich seit Juni 2011 schrieb, entspricht der Wahrheit,  l e i d e r  nicht das, was meinen „besten Freund und Soulmate“ betrifft.
quod erat demonstrandum ( „was zu beweisen war“ )
Oder in diesem Fall noch passender:
quod est dubitandum ( „was anzuzweifeln ist“ ) …..
Quelle: – Wikipedia…. 

Stand: Februar 2015

Manchmal werden Entscheidungen dem Menschen aus der Hand genommen - von ganz oben ..... so auch hier:

Dieser Tage erfuhr, dass "er" verstorben ist - wunschgemäß, wie er es mir mal vor langer Zeit im entspannten Gespräch erzählte - vom Stuhl gekippt - Reanimation nicht erfolgreich - und - Exitus.

Einem englischen Freund habe ich sinngemäß heute geschrieben: Ich hatte große Probleme mit ihm - der Tod beerdigt alles....

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